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10.09.2010


Ruhrszene Blog

ruhrszene Ferox Ignis

Ferox Ignis, zwei Feuerkünstler aus dem Ruhrgebiet im Interview bei ruhrszene.blog.de

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Essen Originell 2009

Wir erzählen hier die wahre Geschichte von vier Kulturrevolutionären, die ausgezogen waren um die kulturelle Selbstbestimmung der Menschen in der Kulturhauptstadt Europas zurück zu gewinnen ….

 

Es ist für uns völlig klar, dass der Organisator von „Essen Originell“ bei den Überlegungen für 2010 mit dabei sein wird.“ Diese verheißungsvollen Worte stammen von keinem geringerem als Herrn Groppe, dem „Mister Essen Original“ der Essener Marketing Gesellschaft. Er sagte dies gegenüber der NRZ vom 31.08.09, angesprochen auf die erfolgreichen Aktionen des Kulturprotest Bündnisses Essen Originell. Des weiteren bescheinigt er den Initiatoren des Essen Originell, dass die Proteste völlig im Rahmen waren.

Die Äußerungen von Herrn Groppe wurden bei den Kulturrevolutionären begeistert aufgenommen. Sie verbuchen das Gesprächsangebot der EMG als den verdienten Erfolg ihrer engagierten Arbeit. Dabei sind sie besonders Stolz darauf, dass sie trotz schwieriger Ausgangslage den Mut nicht verloren haben und die Auseinandersetzung mit der einflussreichen EMG nicht scheuten, obwohl das angestrebte Ziel 2010 wieder dabei zu sein, zunächst in weite Ferne gerückt war. Was war geschehen?

Zu Beginn des Jahres 2009, als die EMG die Neuausrichtung des Essen Original zwar schon angedacht hatte, aber dies noch keine beschlossene Sache war, unterbreiteten auf Anfrage der EMG Stefan Belz, Peter Siewert und Dirk Bussler in ihrer Funktion als beauftragte Veranstalter beim Essen Original 2008 der Essen Marketing alternative Vorschläge. Diese Vorschläge zielten alle auf den Erhalt der zur Diskussion stehenden Bühnen. Keine der beteiligten Personen bekam jedoch zu ihren Vorschlägen ein Feedback seitens der EMG, obwohl dies eindeutig vereinbart wurde. Nicht schlecht staunten die Betroffenen daher, als die EMG die radikale Neuausrichtung des Essen Original in den Medien verkündete. Die EMG bestand auf die Streichung aller Bühnen der Nordstadt. Ihr Angebot richte sich an die für die Wirtschaft interessante Zielgruppe von 30+, so die EMG. Jugend- und Subkultur passe 2009 eben nicht mehr zum neuen Konzept. Als der Arbeitskreis Jugend in seiner Pressemitteilung vom März diesen Jahres die EMG mit den Worten zitierte „Jugend und junge Erwachsene passen nicht in die Innenstadt, da Fehlverhalten und Ausschreitungen befürchtet werden müssen“ kochten die Emotionen über. Der AKJ sprach davon, dass 90.000 junge Essener ausgegrenzt werden und fing damit an Unterschriften zu sammeln. Eine Demonstration wurde geplant. So sollten die Zuständigen bei der EMG unter Druck gesetzt werden. Tatsächlich kam es auch zu einem Termin, bei dem Vertreter der EMG, der Stadt und der Jugendverbände anwesend waren. Als Kompromiss wurde vereinbart, dass eine Jugendbühne eingerichtet werden sollte, auf der die Verbände und das Jugendamt die Früchte ihrer Arbeit präsentieren könnten. Dieses Angebot war seitens der Stadt mit der Forderung verknüpft, dass im Gegenzug die Verbände und das Jugendamt ihre Kampagne einstellen und die geplante Demonstration absagen sollten. Letztlich ließen sich die professionellen Jugendvertreter erpressen und willigten ein. So gaben sie der EMG und der Stadt die Möglichkeit ihr angekratztes Images zu reparieren. Die Jugendbühne als kulturelles Feigenblatt unterstützt von den Organisationen, deren eigentliche Aufgabe es ist, die Interessen aller jungen Menschen dieser Stadt gegen Willkür und Ausgrenzung zu verteidigen.

Es gab niemanden mehr in dieser Stadt, der nun ernsthaft versucht hat die Belange einer offenen und reichhaltigen Kulturszene zu verteidigen. Zu groß sind die Verflechtungen und Abhängigkeiten aller Beteiligten gegenüber der Stadt und der EMG. Niemand war bereit sich

dem Kulturdiktat der Stadt und der EMG zu widersetzen, niemand hatte den Mut Nachteile für sich in Kauf zu nehmen ohne Aussicht auf den eigene Vorteil. Und doch gab es einige wenige Menschen, die sich dem Druck und der Macht der Stadt und der EMG aufrichtig und entschlossen entgegenstellten. Diese Menschen sind keine Menschen, die nichts zu verlieren hätten - auch für sie stand einiges auf dem Spiel. Aber sie waren bereit für ihre kulturelle Selbstbestimmung einzustehen. Melanie Dittmer von Subkultur2010, Marika Gundlach, Inhaberin der Firma Revierkult, Björn Werner, Verantwortlicher beim Online Forum Blackpott und Dirk Bussler vom Leo Store Essen gründeten als Antwort auf die kulturelle Ausgrenzung und Diskriminierung der Subkultur seitens der EMG das Bündnis Essen Originell. Schnell wurde klar, dass nicht nur versucht werden musste, die Verantwortlichen in der Politik, der Stadt und der EMG vom richtigen Weg zu überzeugen - auch in den eigenen Reihe herrschten Resignation und Zweifel. Zu tief saß sie Erfahrung der Betroffenen in dieser Gesellschaft ohnehin nicht ernst genommen zu werden. Zu groß war der Zweifel etwas verändern zu können. Aber durch Überzeugungsarbeit und viel persönliches Engagement gelang es dem „Quattro Infernale“ ihre Zuversicht und Entschlossenheit auf die zahlreichen, zumeist jungen Menschen zu Übertragen. Die Idee von Dirk Bussler, die Bands im Schaufenster spielen zu lassen um so die verbotenen Inanspruchnahme öffentlicher Flächen zu vermeiden, stellte sich als kreative und zugleich geniale Strategie heraus. Vierzehn Bands konnten von Melanie Dittmer, Björn Werner und Dirk Bussler für diese außergewöhnliche Aktion gewonnen werden. Zwar wollten viele weitere Bands das Festival durch ihren Auftritt unterstützen, aber der enge Zeitplan gab einfach nicht mehr her. Schließlich sollte der Ordnungsmacht kein Vorwand geben werden diese Veranstaltung zu unterbrechen. Alle Bands spielten ohne Gage aber mit großem Einsatz. Und auch die Models und die Feuerkünstler arbeiteten ohne Gage. Da sich der Leo Store bereits frühzeitig bereit erklärt hatte, die nicht unerheblichen Kosten bezüglich der Technik, der Verpflegung der Künstler und der Werbung zu übernehmen konnte auch schnell der organisatorische Rahmen gespannt werden. Die Entscheidung des Leo Store Essen Originell zu unterstützen folgte nicht den Gesetzen der Ökonomie. Der Investition im vierstelligen Bereich muss der durch die Durchführung der Veranstaltung entgangene Umsatz hinzugerechnet werden, denn Verkauf fand in diesen Tagen kaum statt. Man muss kein Betriebswirtschaftler sein um zu erkennen, dass es sich hier um die selbstlose Unterstützung einer guten Sache handelt. Die gemeinsame Sache und die vage Hoffnung etwas bewegen zu können, erzeugte bei allen Beteiligten starke Solidarität und großes Engagement. Dabei wurde darauf geachtet, dass die entsprechenden Bands ein möglichst großes musikalisches Spektrum abbildeten. Hier ging es ja nicht darum ein bestimmtes musikalisches Klientel zu bedienen, sondern darum gegen den Wegfall aller Bühnen in der nördlichen Innenstadt zu demonstrieren. Und hier zeigte sich, dass Musik ein starkes Band ist. Tausende von begeisterten Fans schenkten am Freitag und Samstag den Künstlern die Aufmerksamkeit, die sie verdient hatten. Ein tolles Fest für alle Beteiligten. Dabei setzten sich die verschiedenen Musiker für die grundsätzliche Akzeptanz der unterschiedlichen Musikrichtungen ein. Als besonderer musikalischer Höhepunkt darf der Beitrag der jungen Künstlerin Jaana bezeichnet werden., hatte sie doch eigens für diese Protestaktion ein Lied geschrieben. Darin besingt sie eindrucksvoll die Ignoranz und die Vorurteile mit denen junge Menschen täglich konfrontiert werden. Und sie gibt einen Ausblick … aus der Machtlosigkeit der Jugend erwächst in Zukunft eine starke Kraft, die vieles verändern wird. Da die Zukunft schon heute beginnt, war es den Beteiligten nicht genug, nur das reichhaltige Spektrum musikalischer Subkultur zu präsentieren. Sie wollten mehr … Die von Rainer Götz, Björn Werner und Dirk Bussler entwickelte Idee einer Demonstration gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Ignoranz sollte elementarer Bestandteil des Essen Originell 2009 werden. Der Black-Mob war geboren. Ein Wort das sich aus dem Begriff Flashmob und der Farbe Schwarz, die sowohl als Identitätsstiftenden Farbe der Subkultur gilt, als auch symbolisch für die von der EMG zu Grabe getragene Subkultur steht. Und auch diese Ausdrucksform des Widerstandes fand innerhalb weniger Tage begeisterte Befürworter in allen Gesellschaftsschichten und weit über die grenzen der Stadt hinaus. Dies war schon lange nicht mehr der Protest einiger Außenseiter. Diese Aktion fand breite Zustimmung in der ganzen Bevölkerung und führte zu regem Interesse der Medien. Und auch im Internet bildete sich innerhalb kürzester Zeit eine breite Welle der Solidarität und Unterstützung aus. Das alles konnte nicht mehr unberücksichtigt bleiben. Über 500 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten protestierten am Samstagabend gegen die Vorgehensweise der Essen Marketing. Unzählige User brachten in zahlreichen Foren und anderen Internetplattformen ihren Unmut deutlich zum Ausdruck. Aus einem kleinen Häufchen engagierter Kulturrevolutionäre wurde eine breite Protestbewegung, die an Mobilisierungspotential nichts verloren hat. Die Veranstalter haben gemeinsam mit ihren zahlreichen freiwilligen Helfern eindrucksvoll gezeigt, dass man mit Mut, Überzeugung und dem festen Willen zur Veränderung Dinge bewegen kann. Dies konnten sie jedoch nur, weil sie von einer breiten Welle der Unterstützung getragen wurden.

Die Liste der Unterstützer ist lang. Und jeder, der dabei war hat sicher seinen besonderen und wichtigen Betrag zum gelingen dieser Aktion geleistet. Stellvertretend für alle werden wir nun einige nennen ohne jedoch das Engagement der nicht genannten zu schmälern. Das Publikum verneigt sich beeindruckt von den künstlerischen Leistungen von 30Fact, Atomic Neon, Blütenasche, Bool, Christoph Görges, Corporal Clegg´s Salvation Army, Empty Day, Melanculia, Omas Zwerge, Ro`Shan, Stadtlichter, Tonk!, Trümmerfrau und den Feuerkünstlern Ferox-Ignis sowie den zahlreichen Models. Fast möchte man sagen: „ ... und wenn sie nicht gestorben sind …“ - aber soweit ist es noch lange nicht. Die Bewegung Essen Originell steht erst am Anfang eines langen Weges … Aber wie heißt es so schön: Nichts ist so beständig wie der Wandel. Und bei den Verantwortlichen der EMG und der Stadt scheint zumindest die Bereitschaft dazu vorhanden zu sein.

 

http://www.essen-originell.de

http://www.myspace.com/essenoriginell

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brot&spiele: neue heimat. trailer märz 2010

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Zwanzig10:Der kul­tu­rel­ler Ruhr­pi­lot

Ein Blog, der Euch hilft einen Überblick über verschieden Aktivitäten im Jahr der "KULTURHAUPTSTADT" zu erhalten, quasi euer Ruhrpilot durch das spannende Jahr 2010 .

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